Mittwoch, 21. Oktober 2026
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NVIDIA GTC Berlin: Agile ONE SN, Container-KI-Fabriken und Bolt-Robotaxis – der Keynote-Recap

Kurze Antwort

Jensen Huang hat die zweistündige GTC-Keynote in Berlin am 21. Oktober 2026 ganz auf Robotik und KI-Infrastruktur ausgerichtet. Höhepunkt war der Münchner Referenz-Humanoide Agile ONE SN (1,40 Meter groß, Jetson-Thor-Rechner, verfügbar ab Anfang 2027). Dazu kamen Isaac Lab 3.0, KI-Fabriken aus dem Container (DSX POD), ein Robotaxi-Deal mit Bolt und neue Werkzeuge für KI-Agenten in Unternehmen. Huangs Botschaft an Europa: KI künftig produzieren statt nur konsumieren – NVIDIA beziffert sein Europa-Engagement auf knapp 10 Milliarden Dollar.

Zwei Stunden, eine Botschaft: Die nächste industrielle Revolution läuft über Roboter, autonome Fahrzeuge und KI-Fabriken – und Europa soll ganz vorne mitspielen. Mit diesem Anspruch hat NVIDIA-Chef Jensen Huang am Mittwochvormittag seine Keynote im Berliner Tempodrom eröffnet. Statt neuer Grafikchips standen diesmal die Systeme im Mittelpunkt, mit denen KI in der realen Welt ankommt: humanoide Roboter aus München, Rechenzentren aus dem Container und Robotaxis für europäische Straßen.

Humanoider Roboter Agile ONE SN auf der NVIDIA GTC Berlin Keynote-Bühne

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Agile ONE SN: Der Münchner Humanoide für Entwickler

Der meistbeachtete Moment der Keynote gehörte einem Roboter aus München: Der Agile ONE SN des Unternehmens Agile Robots ist als Referenz-Plattform für Forscher und Entwickler gedacht – ein fertiger humanoider Roboter, auf dem sich neue Fähigkeiten trainieren und testen lassen, ohne erst eigene Hardware, Sensoren und Software zu konstruieren. Laut Huang verkürzt das die Einrichtungszeit von Wochen auf Tage.

Die technischen Daten im Überblick (Quelle: offizieller NVIDIA-Pressemitteilung): 1,40 Meter groß, 40 Kilogramm schwer, 31 Freiheitsgrade und eine Traglast von 3 Kilogramm pro Arm. Die beiden fünfingerigen Hände vom Typ WUJI Hand 2 bieten je 20 Freiheitsgrade, eine Kraftregelung mit 1 Kilohertz und Tastsensoren für filigrane Griffe. Als Rechner dient NVIDIAs Jetson Thor mit 2.070 FP4-Teraflops und 128 Gigabyte einheitlichem Speicher, als Software-Framework kommt Isaac GR00T zum Einsatz. Die Integration von NVIDIAs Halos-Sicherheitssystem ist geplant.

Verfügbar sein soll der Agile ONE SN Anfang 2027 – einen Preis nannte NVIDIA nicht. Interesse haben laut NVIDIA unter anderem die Stanford University und die ETH Zürich bekundet. Agile-Robots-Chef Zhaopeng Chen formulierte den Anspruch so: Der Durchbruch bei Humanoiden sei die Nützlichkeit im großen Maßstab – eine anpassungsfähige Maschine, die viele Fähigkeiten lernt und in Umgebungen arbeitet, die für Menschen gebaut sind. Huang selbst sagte: „Der ChatGPT-Moment der Robotik rückt schnell näher.“

Isaac-Plattform: Neue Werkzeuge für Roboter-Entwickler

Um den Humanoiden herum baut NVIDIA seine offene Robotik-Plattform Isaac deutlich aus. Das Lern-Framework Isaac Lab 3.0 ist ab sofort allgemein verfügbar, dazu kommt mit Isaac OS eine neue Open-Source-Laufzeitumgebung auf Holoscan-Basis, die KI, Sensoren, Steuerung und Roboter-Hardware verbindet.

Für das Training stellt NVIDIA außerdem Daten und Simulationsbausteine bereit: Die SimReady Central Library mit über 2.000 simulationsfertigen Roboter- und Fabrikbauteilen liegt auf Hugging Face, ebenso der Human-1M-Datensatz mit aus drei Blickwinkeln gefilmten menschlichen Aktivitäten. Drei neue Open-Source-Referenzabläufe kombinieren ChatGPT Astra mit NVIDIA Isaac und Cosmos auf der DGX Station und sollen Datenerzeugung, Training und Bewertung von Robotern beschleunigen. Zu den europäischen Partnern der Plattform zählen unter anderem ABB Robotics, KUKA, NEURA Robotics und Universal Robots.

DSX POD: Die KI-Fabrik kommt aus dem Container

Auch beim Rechenzentrumsbau setzt NVIDIA auf Tempo: Mit DSX POD stellte Huang komplette Vera-Rubin-KI-Rechenzentren vor, die Partner in Containern aufbauen und noch vor der Auslieferung testen. An einem vorbereiteten Standort soll sich die Inbetriebnahme dadurch von sechs Monaten auf bis zu 14 Tage verkürzen.

17 Partner wollen die Container-Rechenzentren ab Anfang 2027 weltweit liefern, darunter Dell, HPE, Lenovo, Foxconn, Schneider Electric und das Rüstungsunternehmen Anduril. Die Botschaft dahinter: Die KI-Fabrik wird zum bestellbaren Produkt – passend zu Huangs Bild von der KI als „fünfschichtigem Kuchen“ aus Energie, Hochleistungsrechnern, KI-Fabriken, Tokens und Anwendungen.

Bolt bringt Robotaxis mit NVIDIA-Technik nach Europa

Konkreter wurde es beim autonomen Fahren: Der Fahrdienst Bolt setzt für seine europäischen Robotaxis auf NVIDIAs Alpamayo-Software für selbstfahrendes Fahren. Die Datensammlung soll 2027 in Madrid beginnen – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen –, Deutschland folgt danach. Geplant ist der Einsatz von mindestens 25.000 selbstfahrenden Lucid-Fahrzeugen auf NVIDIAs Hyperion-Plattform.

Zusätzlich sollen kommende Fahrzeuggenerationen von Mercedes-Benz, Volvo, JLR und der Transportersparte von Volkswagen mit Hyperion kompatibel sein. Robotaxis sind in Europa bislang eine Seltenheit – umso bemerkenswerter ist, dass Huang das Thema so prominent auf die Berliner Bühne holte.

KI wandert ins Mobilfunknetz: AI-RAN

Auch die Telekom-Branche bekam ihren Keynote-Moment: T-Mobile hat laut NVIDIA den weltweit ersten AI-RAN-Anruf in einem kommerziellen Netz geführt – in Bellevue im US-Bundesstaat Washington, mit Technik von NVIDIA und Nokia, die KI direkt im Mobilfunknetz ausführt. Die Deutsche Telekom, BT und Elisa betreiben Pilotprojekte, BT plant Live-Tests 2027 in Birmingham.

Agent Toolkit: KI-Agenten für die Firma – aber sicher

Für Unternehmen erweiterte NVIDIA sein Agent Toolkit um Werkzeuge, die KI-Agenten an Firmendokumente und Datenbanken anbinden. Zu den Anwendern zählen SAP, ServiceNow, Snowflake, Databricks und Palantir – mehr dazu in unserem Überblick zu Microsofts neuem Copiloten. Ergänzend veröffentlichte NVIDIA ein Referenzdesign namens OpenShell – eine Sandbox, in der Agenten sicher betrieben werden können. Huang brachte die Priorität auf den Punkt: „Das Wichtigste ist, dass der Agent sicher ist.“

Huangs Botschaft an Europa: Produzieren statt konsumieren

Der rote Faden der Keynote war politisch: Europa soll KI nicht nur nutzen, sondern herstellen. „Wer an dieser KI-Wirtschaft teilhaben will, sollte KI nicht nur konsumieren, sondern produzieren“, sagte Huang. Sein Argument: So wie das Internet erst Netze und die Elektrifizierung erst Stromnetze brauchte, müsse erst die Infrastruktur stehen, bevor die KI-Modelle entstehen können.

Die Zahlen dazu: Nach einer einwöchigen Europa-Tour mit Stationen in Paris, London, Stockholm und Dublin beziffert NVIDIA sein Engagement für Europas Technologie-Ökosystem auf knapp 10 Milliarden Dollar (etwa 8,6 Milliarden Euro). Mehr als 12.000 Partner arbeiten laut Huang mit NVIDIA zusammen, darunter europäische Schwergewichte wie L’Oréal, Revolut, Spotify, Merck, Vodafone, Zara, Porsche, Nestlé und HSBC. Zusätzlich sagte NVIDIA 250 Millionen Dollar Rechenleistung für die britische KI-Sicherheitsforschung zu.

Auf der Bühne versammelte Huang Gäste aus fünf Themenblöcken – von Dassault-Systemes-Chef Pascal Daloz und Telekom-Chef Tim Höttges über Mistral-Chef Arthur Mensch bis zu Mercedes-Chef Ola Källenius und Agile-Robots-Gründer Zhaopeng Chen. Die Kapitelübersicht steht auf NVIDIAs Keynote-Seite.

Was die Keynote nicht brachte

Zwei Themen blieben bewusst außen vor: Die KI-Partnerschaft zwischen Bundesregierung und NVIDIA war bereits am Montag beim Invest-in-Germany-Gipfel als Absichtserklärung unterzeichnet worden – sie war kein Keynote-Thema, alle Details dazu stehen in unserer Abend-Vorschau vom Montag (Hintergrund auch bei deutschland.de und Reuters).

Auch zu NVIDIAs kompakten KI-Rechnern gab es auf der Bühne nichts Neues: Die 64-Gigabyte-Variante des DGX Spark startet weiterhin wie angekündigt am 23. Oktober ab 4.999 Dollar – eine Folge der anhaltenden Speicherkrise, über die wir bereits im Zusammenhang mit Microsofts KI-Laptop berichtet haben.

Berlin war kein Chip-Feuerwerk, sondern ein Infrastruktur-Statement: NVIDIA will die Fabrik liefern, in der Europas KI entsteht – vom Münchner Humanoiden über Container-Rechenzentren bis zum Robotaxi. Ob der „ChatGPT-Moment der Robotik“ wirklich kommt, entscheidet sich ab Anfang 2027, wenn die angekündigte Hardware tatsächlich ausgeliefert wird. Eine gute Einordnung der Ankündigungen liefert auch diese Keynote-Zusammenfassung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Agile ONE SN?
Der Agile ONE SN ist ein humanoider Referenz-Roboter des Münchner Unternehmens Agile Robots. Er ist 1,40 Meter groß, wiegt 40 Kilogramm und wurde für Entwickler gebaut: Mit NVIDIA Isaac GR00T und dem Jetson-Thor-Rechner lassen sich Roboter-Fähigkeiten trainieren und testen, ohne eigene Hardware zu konstruieren. Die Einrichtung soll sich von Wochen auf Tage verkürzen.
Wann kommt der Agile ONE SN auf den Markt?
Agile Robots plant die Verfügbarkeit für Anfang 2027. Einen Preis hat NVIDIA auf der GTC Berlin nicht genannt. Interesse haben laut NVIDIA unter anderem die Stanford University und die ETH Zürich bekundet.
Was steckt hinter NVIDIA DSX POD?
DSX POD ist ein Konzept für komplette Vera-Rubin-KI-Rechenzentren, die Partner in Containern aufbauen und vor der Auslieferung testen. NVIDIA verspricht, dass sich die Inbetriebnahme an einem vorbereiteten Standort von sechs Monaten auf bis zu 14 Tage verkürzt. 17 Partner, darunter Dell, HPE und Lenovo, wollen die Container-Rechenzentren ab Anfang 2027 weltweit liefern.
Wann fahren NVIDIA-Robotaxis in Deutschland?
Der Fahrdienst Bolt setzt für seine europäischen Robotaxis auf NVIDIAs Alpamayo-Software. Die Datensammlung soll 2027 in Madrid beginnen, Deutschland folgt danach. Geplant sind mindestens 25.000 selbstfahrende Lucid-Fahrzeuge auf NVIDIAs Hyperion-Plattform – jeweils vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.
Was bedeutet die Keynote für Deutschland?
Konkret für Deutschland: Die KI-Partnerschaft zwischen Bundesregierung und NVIDIA wurde bereits am Montag als Absichtserklärung unterzeichnet und war kein Keynote-Thema. Auf der Bühne standen dafür deutsche Unternehmen im Rampenlicht – allen voran Agile Robots aus München sowie NVIDIAs Investitionen in die Start-ups Avelios Medical, Mirelo und Reflex Aerospace.
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